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Bearbeitung:
Margret Kolbe
Bernhard Hennemann

Gutachter:
Michael Roth (LLP)
Prof. Dr. Johann Köppel (TU Berlin)

Abgabe:
27. August 2007

Kriterien für einen landschaftsverträglichen Biomasseanbau – Methodischer Ansatz zur Bewertung und beispielhafte Anwendung in der Modellregion Ostprignitz-Ruppin

Im Zuge einer umweltverträglichen Biomassebereitstellung macht es sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe, Kriterien für eine landschaftsverträgliche Biomassenutzung zu erarbeiten. Die zu berücksichtigenden Aspekte des Schutzgutes Landschaftsbild sowie der Anbaubiomasse werden herausgestellt. Auf der Ebene der Landschaftsrahmenplanung wird ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, die Risiken und Synergieeffekte der Biomassenutzung in Bezug auf das Landschaftsbild zu bewerten. Darauf aufbauend können erste Handlungsempfehlungen formuliert werden. Als Untersuchungsgebiete (UG) dienen drei unterschiedlich geprägte Landschaftsräume in der Modellregion des Landkreises Ostprignitz- Ruppin.

In einem theoretischen Teil wird der methodische Ansatz zur Bewertung der Chancen und Risiken für das Landschaftsbild erarbeitet. In Anlehnung an das Landschaftsbildbewertungsverfahren von KÖHLER & PREIß (2000) wird das Schutzgut Landschaftsbild operationalisiert. Mit Hilfe von Indikatoren und weiteren Einzelaspekten (Teilindikatoren) kann die Landschaftsbildqualität erfasst werden. Die Bewertung erfolgt auf einer einfachen dreistufigen ordinalen Skala. Die Auswirkungen des Biomasseanbaus auf das Landschaftsbild werden durch die Verwendung von Wirkfaktoren operationalisiert. Für die Bewertung der Wirkintensitäten wird ebenfalls eine dreistufige ordinale Skalierung verwendet. Bei einigen Wirkfaktoren genügt eine zweistufige nominale Skala. Die so erfassten und bewerteten Einflussfaktoren (Landschaftsbild und Anbaubiomasse) können nun miteinander in Beziehung gesetzt werden. Dies geschieht unter Verwendung der ökologischen Risikoanalyse. Die erzielten Einzelergebnisse der ökologischen Risikoanalyse können anschließend durch Entscheidungsbäume zu Risikostufen zusammengeführt werden.

In einem anwendungsbezogenen Teil wird das entwickelte Verfahren überprüft. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob in den drei ausgewählten, durch unterschiedliche naturräumliche Ausstattungen geprägten Untersuchungsgebieten, differenzierte Ergebnisse (Risikostufen) erreicht werden. Zur Abgrenzung der Gebiete wird die naturräumliche Gliederung Deutschlands herangezogen. Die Einteilung erfolgt auf der Ebene so genannter Landschaftsbildtypen. Für fünf beispielhaft ausgewählte Energie- und Industriepflanzen werden nun die Risikostufen ermittelt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden erste Handlungsempfehlungen für einen landschaftsverträglichen Biomasseanbau in der Modellregion vorgeschlagen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Zielsetzung der Arbeit weitgehend erreicht wurde. Das Verfahren ermöglicht eine einheitliche, umfassende Berücksichtigung des Schutzgutes Landschaftsbild bei der Bereitstellung von Anbaubiomasse. Weiterhin reagiert es sensitiv auf die unterschiedlichen landschaftlichen Situationen in den drei Untersuchungsgebieten. Für detaillierte Aussagen können die ermittelten Ergebnisse allerdings nicht herangezo gen werden. Sie dienen vielmehr einer groben Abschätzung der Anbaueignung verschiedener Offenlandflächen für einen landschaftsverträglichen Biomasseanbau.

In Verbindung mit der Bewertung der übrigen Schutzgüter bzw. Landschaftsfunktionen der Landschaftsplanung kann ein Beitrag zu einer umfassenden Berücksichtigung von Naturschutzaspekten bei der Biomasseproduktion auf der Ebene der Landschaftsrahmenplanung geleistet werden.